Meister der Moderne

Lev Smorgon gilt heute als Nestor der St. Petersburger Künstlerszene. Mit seinen Bildern und Skulpturen ist er in Ausstellungen, Museen und Galerien präsent. Kenner schätzen zudem seine unverwechselbaren Spielfiguren, die er seit den 1950er bis in die 1970er Jahre entwarf. 1929 in Detskoye Selo geboren, studierte Smorgon an der Hochschule für angewandte Kunst in Leningrad. Nach seinem Diplom im Jahr 1952 arbeitete er für die Lomonosov Porzellanmanufaktur, bis ihn sein Freund Lev Razumovsky in die Entwurfsabteilung der Okthinsky Werke holte. Durch ihre oft erstaunliche Abstraktion und ihren markanten Gesichtsausdruck formte er seine Puppen und Tiere zu ganz eigenen individuellen Charakteren. (Fotos: Eugen von Arb, St. Petersburg)

 

 

Ein Künstlerleben

Lev Razumovsky (1926 – 2006) überstand die Blockade Leningrads, kam im Alter von 17 Jahren an die Front, wurde 1944 in Finnland verwundet und verlor seinen linken Arm. Ein Jahr später begann er dennoch an der Leningrader Hochschule für angewandte Kunst ein Studium der Bildhauerei. Die Schrecken des Krieges und der heldenhafte Kampf der Roten Armee wurden für ihn ein künstlerisches Grundthema seines Lebens. Darüber hinaus war er als Gestalter von Kinderspielzeug ein Wegbereiter der Moderne. Für Produktionsbetriebe in Leningrad und Moskau schuf er liebenswerte und funktional durchdachte Spielfiguren. Lev Razumovsky war es auch, der einige seiner Studienfreunde als Spielzeuggestalter um sich sammelte. Die Spielwarenindustrie bot den jungen Leuten ein verlässliches Einkommen und zudem gestalterische Freiräume, in welchen sie jenseits von lebensechten Lenin- und Stalinbüsten eine eigene, zeitgemäße Formsprache entwickeln konnten.

Malvinas braver Hund

Adolf Neystat, Jahrgang 1935, studierte an der Hochschule für angewandte Kunst in Moskau. Er arbeitete bis 1982 am Zentralen Forschungsinstitut für Spielzeug in Moskau und danach am Hutfonda-Kombinat für angewandte Kunst. Als Formgestalter entwickelte er mehr als 650 Funktionsmodelle für Spielwarenhersteller in der gesamten UdSSR. Zugleich war er immer auch als Zeichner und Bildhauer tätig. Mit seinen Grafiken und Skulpturen ist er bei nationalen und internationalen Kunstausstellungen vertreten. Artemon ist Malvinas braver Hund im populären Märchen Buratino, einer russischen Variante des Pinocchio. Das Tier aus orangem Plastik entstand 1980 in einem Zweigwerk der Moskauer Malysh-Werke, der Spielzeugfabrik Donezk.

Exkurs zum »Roten Dreieck«

Um das Thema ZOO MOCKBA in seiner weiten Vielfalt etwas einzugrenzen und gestalterische Zusammenhänge und Unterschiede klarer deutlich zu machen, haben wir uns bislang ausschließlich auf die Materialien Zelluloid und Plastik beschränkt. Bei unseren Recherchen stießen wir auf die Gestalterin Natalia Tyrkova (1928 – 2015). Der große grüne Frosch ist ihr Werk. Die Kunstwissenschaftlerin Daria Soboleva aus St. Petersburg gab uns den Hinweis, dass Natalia Tyrkova und ihre Kollegin Galina Sokolova (1929) zahllose Tiere und Spielfiguren für das Leningrader Gummiwerk Rotes Dreieck gestaltet haben. So haben wir uns entschlossen, unsere Sammlung um einige dieser wunderbaren Gummispielzeuge zu erweitern, da wir die gestalterische Meisterschaft von Tyrkova und Sokolova in unserer Ausstellung zeigen möchten.

Daria Soboleva – verlässlicher Sachverstand an unserer Seite

Eine profunde Sammlung historischen sowjetischen Spielzeugs aufzubauen ist nicht so einfach. Ungleich schwerer ist es jedoch, über die einzelnen Objekte verlässliche Informationen zu erlangen. Viele Fabriken gibt es nicht mehr. Literatur darüber ist kaum zu finden. Die Schöpfer der Spielsachen sind hochbetagt und wohnen nicht eben um die Ecke. Die Kunstwissenschaftlerin Daria Soboleva lebt in St. Petersburg. Sie arbeitet als Restauratorin für historisches Spielzeug und als Pädagogin am Museum der Kindheit in Leningrad. Auch in Russland erinnert man sich langsam der eigenen jüngeren Geschichte. Daria Soboleva hat sich bereits während des Studiums für die Künstler ihrer Stadt interessiert. Dabei fand sie heraus, dass viele von ihnen in früheren Jahrzehnten auch als Gestalter für die Leningrader Spielzeugindustrie tätig waren.

Vorfreude auf ein Wiedersehen

Im Sommer 2013 waren wir mit unserer Ausstellung Mechanische Tierwelt im Esterházy-Museum Schloss Lackenbach zu Gast. Die verlässliche Zusammenarbeit, das herzliche Willkommen der Burgenländer, die gute Küche und die beschauliche Landschaft zwischen Alpenausläufern und Neusiedler See ließen uns seither auf ein Wiedersehen hoffen. So freuen wir uns sehr, dass wir mit ZOO MOCKBA im Jahr 2016 in Richtung Burgenland auf Reisen gehen. Vom 18. März bis zum 31. Juli wird unsere Ausstellung dort ihren ersten Auftritt erleben. Mehr Informationen: esterhazy.at (Fotos: Schloss Lackenbach)


Schöne Überraschung!

Von Marina aus Woronesch erreichte uns ein weiteres großes Paket mit historischen Spielzeugtieren. Der leidenschaftlichen Puppensammlerin begegneten wir im weltweiten Netz. Unkompliziert und sehr verlässlich hilft sie uns über diese weite Entfernung bei der Jagd nach seltenen Tieren. Und weil Marina sehr großzügig ist, finden sich in jedem Paket immer einige Tiere mehr, als wir erhoffen durften. Liebe Marina, ganz herzlichen Dank dafür!

Spurensuche

Der ZOO MOCKBA entwickelt sich prächtig. Immer neue historische Spielzeugtiere finden ihren Weg in unsere Sammlung. Gleichzeitig wächst unsere Neugier, mehr über sie zu erfahren, über ihre Schöpfer, die sie entwarfen, und jene, die sie an den Maschinen in ihre Form pressten. Wir suchen nach Büchern, die uns etwas zur Geschichte des russischen Spielzeugs erzählen und wir bemühen uns um Kontakte zu Menschen, die uns weiterhelfen können. Langsam bekommen wir einen Überblick über die Vielzahl von Firmen, die in Moskau, Leningrad, Roshal oder Katovs’k ihre Standorte hatten. Viele sind mit dem Ende der Sowjetunion verschwunden. Einige Standorte befinden sich heute jenseits der Russischen Grenzen. Spannend wird es sein, auch mit Museen in Kontakt zu treten, um zu schauen, ob sie etwas über die Geschichte unserer Tiere wissen.

Auf gutem Weg

Eine Woche haben wir ungestört mit unseren historischen Spielzeugtieren verbracht. Ein jedes haben wir in den Händen gehalten und von allen Seiten durch die Kamera betrachtet. Dem Charme und der Ausdruckskraft dieser eigenwilligen Charaktere sind wir vollends erlegen. Neues Spiel, neues Glück – wir werden sehen, wohin die Reise geht. Unser erster Besuch im »ZOO MOCKBA« war uns eine große Freude.

Willkommen im ZOO MOCKBA!

Bären, Löwen, Krokodile, Fische, Vögel, Affen und Giraffen – Tiere aller Art, in allen Formen und Farben begrüßen Sie im ZOO MOCKBA. Sie wurde in der einstigen Sowjetunion aus buntem Kunststoff produziert. Die frühen Exemplare sind aus handbemaltem Zelluloid. Seit den 1960er Jahren wurden sie zumeist aus buntem Plastik gepresst. Polyethylen war der Werkstoff des Fortschritts – preiswert, formschön und abwaschbar. Heute sind die Gefahren für Umwelt und Gesundheit bekannt. Weichmacher wurden aus den Kinderzimmern verbannt. In unserem ZOO MOCKBA finden die alten Spielzeugtiere dennoch ihren Platz und dokumentieren den großartigen Gestaltungswillen ihrer Schöpfer.